Licht werden

Nun ist Schnee gefallen; nicht sehr viel, nur ein Hauch, der sich tapfer gegen die Sonne behauptet. Es ist alles gleich viel freundlicher, hell und glitzernd; und dieser wunderbare Schneeduft, wie sehr habe ich ihn vermisst. Die Welt leuchtet und wenn wir genau hinschauen, sind dort tausende, winzige Lichter, die im Schnee vor sich hin funkeln. Jede Schneeflocke für sich ist ein Unikat, es gibt Blumen aus Eis zu entdecken, der Wald hüllt sich in ein winterliches Festgewand.

Zünden wir nicht auch im Advent Lichter an, es leuchtet überall. Es gibt die Nacht der 1000 Lichter im Fernsehen, auch wenn ich zugeben muss, dass ich nicht der Zielgruppe entspreche 😆. Jedes Licht ein Symbol dafür, wie sehr wir die Helligkeit brauchen, wie wir uns nach Licht, Wärme, Nähe und Geborgenheit sehnen.

Wofür steht Licht? Vertreiben der Dunkelheit, Freiheit von Angst, Lebensfreude, Wärme, Hoffnung, Neubeginn, Wachsen, Aufbruch, Strahlen, Frieden…

Ich habe es oft erlebt, gerade war diese große Angst, die innere Dunkelheit, da und plötzlich kommt ein kleiner Lichtstrahl: ein Gedanke, eine Melodie, ein Duft, ein Mensch, der meine Not sieht. Es wird innerlich heller und die Angst muss weichen. Der alte Spruch meiner Oma ist wahr geworden. 

Wenn du glaubst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her.

Es ist erstaunlich, dass das innere Gefühl des Leichterwerdens mit Licht beschrieben wird; es wird Licht ums Herz. Man kann dieses Licht bei lebensfrohen Menschen sehen, sie leuchten, strahlen nach außen. Man umgibt sich gern mit ihnen, weil sich Freude breit macht. Dieses Strahlen ist bei Kindern am Anfang da. Im Laufe des Lebens müssen wir darum kämpfen.

Es ist umgekehrt genauso, wir können auch unsere inneren Kämpfe, Nöte, Herausforderungen, Ängste, Unzufriedenheiten, Frustrationen, leider auch den Hass … nach außen tragen. Es ist in der Miene, im Gang zu sehen und auch in Gesprächen zu hören. Man wird bitter. Oft habe ich das Gefühl, dass in unserem Land, in dem wir uns nicht um unsere Existenz sorgen müssen, die unzufriedenen Menschen immer mehr werden.

Hierzu findet sich in der Bibel:

„… Denn wovon das Herz erfüllt ist, das spricht der Mund aus!“
Lukas 6, 45 Übersetzung Hoffnung für Alle

Mich beeindrucken alte Menschen, die Lebensfreude ausstrahlen: in einem vom Leben gemalten Gesicht, ein echtes Lächeln finden, eine Weisheit, dass das Leben ein Geschenk ist.
Es gibt dazu einen wunderbaren Dokumentarfilm über William Wolff. Er entschloss sich im Alter von 53 Jahren seinen Journalistenberuf an den Nagel zu hängen und Rabbiner zu werden. Der Film drückt so viel Lebensfreude aus, obwohl auch das Leben von Rabbi Wolff von viel Leid begleitet war. 

Ein Zitat von ihm fand ich so lebensfroh komisch:

„Wie alt ich bin, muss ich immer nachrechnen. Das letzte Mal wie ich nachgerechnet hab, war ich 85 und ich glaub es bleibt vorläufig dabei.“
William Wolff im Dokumentarfilm „Rabbi Wolff – Ein Gentleman vor dem Herrn“

Hier ist der Link zum Trailer, um einen Eindruck zu erhalten: https://youtu.be/QiquNblzDMY

In jedem Leben gibt es Zerbrüche und Herausforderungen, trotzdem kann man sich dieses Strahlen erhalten oder neu entdecken. Wie das geht, müssen wir für uns selbst herausfinden. 

Wir feiern nun bald Weihnachten. Jesus ist das Licht der Welt, das in uns wohnen, uns entzünden möchte, aus uns heraus leuchten. Aus diesem Grund wird bei einer Taufe eine Kerze entzündet. Sie symbolisiert neben dem Glauben, der entfacht werden soll, auch dieses innere Leuchten.
Es soll hell werden und dann haben unsere Ängste, Zerbrüche usw., einfach alles, wofür wir selbst keine Antwort haben oder finden, keinen Platz mehr. Es soll Liebe, innere Heilung und Frieden einziehen. Ich habe festgestellt, dass sich nicht meine Lebenssituation geändert hat. Ich gehe, in der Rückschau betrachtet, mit vielen Dingen anders um. Ich habe noch immer meine Bereiche, in denen noch Licht werden soll. Es ist ein Prozess, ein Hellwerden, wahrscheinlich mein Leben lang.

Ich war in der letzten Woche zum Geburtstag einer lieben Freundin eingeladen. Im Gespräch mit den Gästen kam dann ein Satz, der mich die ganze Woche zum Nachdenken gebracht hat: „Ist Euch schon mal aufgefallen, dass wir es nicht mehr schaffen, die Adventskerzen aufzubrauchen.“
Das Innehalten und das Stillwerden im Advent hat kaum noch Raum. Vielleicht entscheiden wir uns einmal wieder dazu, uns zu den Adventskerzen zu setzen und dieser Ruhe nachzuspüren.

Mache dich auf, werde licht! denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir.
Jesaja 60,1 Lutherübersetzung

Es wird Licht in die Dunkelheit kommen, wenn wir uns öffnen, uns aufmachen. Wir müssen nicht in unseren inneren Kämpfen verharren, es darf Frieden werden. Es ist dafür ein Bereit sein, ein Aufstehen, Aufmachen notwendig. Dann wird es in uns hell werden, irgendwann wird es aus uns heraus strahlen und wir werden für andere ein Licht sein. Was für eine Zusage!

Die Welt wird heller werden, je mehr kleine Lichter entzündet sind. Dann muss auch der Hass weichen.

Sei behütet!

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