Ankunft auf Gleiß 1

Achtung! Achtung! Es fährt ein: der Intercity, von Nazareth über Magdala und Jerusalem, in den Hauptbahnhof Bethlehem. Vorsicht an der Bahnsteigkante. Bitte halten Sie eine Gasse für den Aussteig der lebenden Tiere frei. Die Anschlusszüge nach Tel Aviv bzw. ans Tote Meer erreichen Sie planmäßig. Schön, dass Sie sich für eine Fahrt mit dem Intercity entschieden haben. Wir freuen uns, Sie bald wieder begrüßen zu dürfen.

So würde es vielleicht heute klingen und der Weg wäre für Maria und Josef, wenn auch eventuell mit Verspätung 😉, nicht so beschwerlich gewesen. Hätten wir nicht auch heute dieses Eintreffen verpasst in unserem geschäftigen Leben? Es hätte sicher auch heute niemand auf die beiden gewartet. Nur Menschen, die offen dafür waren, haben das Besondere in Jesu Geburt schauen dürfen.

Nun beginnt die Adventszeit. Advent bedeutet Ankunft.
Lassen wir es zu, dass bei uns etwas ankommen darf? Dürfen wir selbst ankommen?

Wir spüren, dass in dieser Zeit etwas Besonderes ist. Suchen wir nicht auch danach: im Kerzenschein, dem Plätzchenduft, den Weihnachtsmärkten? Uns berührt hier etwas, aber es ist für die meisten nicht so recht greifbar.

Wir sagen oft, irgendwie ist die Adventszeit nicht mehr wie früher, wenn es doch wieder so würde. Hat sich das Fest geändert oder bin ich nur erwachsen geworden? Lasse ich dieses kindliche Staunen nicht mehr zu, dieses sich ohne Vorbehalte auf Dinge einlassen?

Hierzu ein Zitat von Jesus:

In dieser Zeit kamen die Jünger zu Jesus und fragten ihn: „Wer ist wohl der Wichtigste in Gottes himmlischem Reich?“ Jesus rief ein kleines Kind, stellte es in ihre Mitte und sagte: „Ich versichere euch: Wenn ihr euch nicht ändert und so werdet wie die Kinder, kommt ihr ganz sicher nicht in Gottes himmlisches Reich.“
Matthäus 18,1-3 Übersetzung Hoffnung für alle

Als Erwachsene müssen wir alles mit unserem Kopf entscheiden, begreifen und im Leben funktionieren. Unsere kindliche Seite haben wir zurückgelassen. Es ist peinlich geworden, kindlich zu sein. Geht dabei aber nicht auch ein Stück Lebensfreude verloren, dieses einfache Glück, ein sich nur freuen?

Vielleicht sind es aber auch unsere Lebensumstände, die uns daran hindern, zu vertrauen. Kinder bringen dieses Urvertrauen mit, dass es jemand gut meint. Sie müssen vertrauen, weil sie klein und hilflos sind. Im Laufe der Zeit wird man in diesem Vertrauen oft erschüttert und wenn es schwere Enttäuschungen sind, sagt man sich vielleicht, ich verlasse mich lieber auf mich selbst. Vielleicht ist man auch überzeugt, dass man stark ist und alles allein schafft, ein Drehen um sich selbst beginnt. Machen wir uns damit nicht unser Herz hart?

Die Geburt Jesu durften Menschen erleben, die offen dafür waren; deren Herz weich war für eine Berührung. Sie konnten mit ihrem Herzen, in diesem kleinen Kind, den angekündigten König sehen. So kam es, dass die Hirten, als in der Gesellschaft niedrig geachtete Menschen, an die Krippe kommen durften. Sie haben ihre Zweifel zurückgelassen, sich geöffnet für die Liebe und Annahme.

Es gibt in der Weihnachtsgeschichte ein Geheimnis zu entdecken, eine Begegnung ganz individuell, für jeden von uns besonders und anders. Wir sind geliebt, so wie wir sind, ohne etwas leisten zu müssen, voller Gnade – wie ein kleines Kind!

An Weihnachten singen wir „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit…“ Jesus möchte gern in unser Herz einziehen und trotz aller Umstände Frieden bringen, es tief berühren und heil machen.

Vielleicht ist es an der Zeit, unsere Herzenstür zu prüfen. Lässt sie sich leicht öffnen? Muss sie mit Mitgefühl, Freude, Zufriedenheit, Vergebung, Nächstenliebe, Dankbarkeit … geölt werden oder ist vielleicht der Schlüssel nicht zu finden? Der Advent gibt Dir Gelegenheit mit der Reparatur zu beginnen, damit sie sich Weihnachten ein Stückchen öffnen lässt und vielleicht wird das Fest dann ganz anders sein. Das ist schon wieder spannend 😍

Sei behütet!

P.S. Um dem Kind nachzuspüren, dass wir einmal waren, hat mich ein Adventskalenderbuch sehr berührt. Ich habe es immer mit meinen Kindern gelesen. Warum nicht auch als Erwachsener? Ein kleines Mädchen begibt sich darin auf eine besondere Reise…

„Vielleicht war das Lamm lebendig geworden und aus dem Kaufhaus fortgelaufen, weil es die vielen Registrierkassen und das ganze Einkaufsgeschwätz nicht mehr ertragen konnte. Vielleicht lief Elisabet aus dem gleichen Grund hinter ihm her. Sie war noch nie gern einkaufen gegangen.“

aus dem Buch „Das Weihnachtsgeheimnis“ von Jostein Gaarder

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