Aufbruch

Diese Zeit macht etwas mit mir!

Eine kleine Wanderung – Gedankenfetzen:
… November…
… sonnig, mit Dunst durchzogen …
… atemberaubend schön…
… Waldweg …
… wunderbare Luft …
… einatmen: ich darf, ich kann, Lufthunger …
… ein Auto im Vorbeifahren, zwei Masken schauen mich an, man erkennt sich nicht…
Wann ist das normal geworden?

Die Masken und Maßnahmen sind so wichtig, nicht weil ich große Angst um mich habe, sondern davor, dass sich meine Familie ansteckt, besonders der Teil mit höherem Alter und vielen Vorerkrankungen. Wir müssen einander schützen! Plötzlich ist das Alltag. Ich empfinde die Diskussion über die Übertreibung der Lage als Egoismus und Hohn. Wir sehen den Kampf in den Krankenhäusern, Pflegeheimen nicht. Er findet hinter verschlossenen Türen statt und wir können dem Personal nur unendlich dankbar sein.

Wir sehnen uns nach unserem alten Leben vor der Pandemie und merken wie sich eine Schwere über alles legt. Das Leben vor Corona kommt mir plötzlich so leicht vor. Nun sind wir wieder im Advent, der diesmal anders ist…

Mich begleitet in meinen Herausforderungen schon lange ein Weihnachtslied. Hier die erste Strophe:

Maria durch ein‘ Dornwald ging.
Kyrieleison!
Maria durch ein‘ Dornwald ging,
der hatte in sieben Jahr’n kein Laub getragen
Jesus und Maria.

Lied: Maria durch ein Dornwald ging 1. STROPHE

Es muss in diesem Dornwald sehr düster sein. Der Wald bringt nur noch Dornen hervor, 7 Jahre kein grünes Blatt mehr!
Manchmal fühle ich mich wie dieser Dornwald: kraftlos, ausgetrocknet, ohne Zuversicht, im Stillstand. Wenn wir in diesem Zustand verharren, kann nichts wachsen. Es werden irgendwann nur noch Dornen zu finden sein: Dornen der Wut, der Verbitterung, der Unversöhnlichkeit. Das Leben kann nicht mehr sprießen, es bringt kein grünes Blatt mehr hervor.

Wenn man es aus Sicht des Gehens betrachtet, liegt nicht manchmal auf unserem Weg auch ein Dornwald?
Innerlich schreit es in uns: Das habe ich nicht verdient! Das ist ungerecht, dass gerade ich da durch muss. Das habe ich nicht gebucht, mein Plan war doch ganz anders!

Maria geht in diesen Dornwald. Das ist doch abwegig, oder? Sie hat von einem Engel erfahren, dass sie ein Kind erwartet, ohne Mann. Würde Josef sie verlassen? Was würden die Leute sagen? Werden sie ihr Gewalt antun (in der damaligen Zeit nicht abwegig)? Eigentlich eine Liste, die einen ratlos und in großer Angst zurücklässt!
Was hätten wir gemacht? Hätten wir das geglaubt? Wäre da nicht Angst gewesen, vielleicht sogar Rebellion?

Ich finde die Geschichten in der Bibel (soooooo) erstaunlich. Es sind ganz normale Menschen, keine Helden und eigentlich hätte auch die Geschichte der Maria in unserer Zeit spielen können. Die Bibel erzählt oft von Entscheidungen im Vertrauen auf Gott, die wieder so anders sind, als erwartet.

Als Maria erfährt, dass sie schwanger und wahrscheinlich alleinerziehend ist, bricht sie in Lob und Jubel aus:

Meine Seele preist die Größe des Herrn
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig.

Lukas 1, 46-49 – Einheitsübersetzung

Dies sind Auszüge aus dem Lobgesang der Maria nach der Einheitsübersetzung, der auch Magnifikat genannt wird (komplett in Lukas 1, 46 – 55 nachlesbar). Maria hat etwas berührt, Gott hat berührt, es war kein Platz für Angst! Sie brach in Jubel aus.

Wie geht nun das Lied weiter:

Da haben die Dornen Rosen getragen.
Kyrieleison!
Als das Kindlein durch den Wald getragen,
da haben die Dornen Rosen getragen!
Jesus und Maria.

Lied: Maria durch ein Dornwald ging 3. STROPHE

Maria geht in diesen Wald voller Mut. Das Erstaunliche ist, es passiert auch mit dem Wald etwas; das Verdorrte blüht, mit einer der schönsten Blumen.
Was Jesus berührt, beginnt zu leben, zu sein, zu blühen!
Auch mein Leben hat er grundlegend geändert:
Es ist oft sehr schwer weiterzugehen, aber im Dunkel blühen plötzlich diese Rosen auf.
Es ist oft schwer das eigene Kreuz zu tragen, aber wir bekommen die Kraft, wenn wir auf ihn schauen und vertrauen.
Wir werden beschenkt und das ist für mich das echte Leben! Ich hätte gern auf einige schwere Dinge auf meinem Weg verzichtet, aber diese Hindernisse haben auch Gutes hervorgebracht: tiefes Leben, echtes Leben.
Ich hätte es mir nicht selbst gewählt, aber ich kann jetzt JA zu diesem Weg sagen.
Ich kann ohne Angst weitergehen, weil ich weiß, egal was passiert, er ist da und hält mich fest, auch in der Pandemie!

Ich habe mich entschieden: ich gehe weiter und werde Rosenzüchter!

Sei behütet!

PS. Ich wünsche Dir gesegnete Weihnachten. Sie werden in diesem Jahr anders sein, vielleicht mit weniger Geschenken, vielleicht ohne viele Menschen, ruhiger u.s.w.

Wenn wir aber in uns, den sonst belegten Raum frei machen, können wir das wichtigste Geschenk einlassen, es entdecken. Es wird alles verändern! 🙂

Hier ist der Eintrag vom letzten Advent, gern zum noch einmal lesen: https://www.medjes53.de/licht-werden/

1 Reply to “Aufbruch”

  1. Die Worte sind so so wunderbar gewählt sie geben dir Mut und Kraft und doch auch viel Dankbarkeit für das heute und jetzt…gemeinsam werden wir auch diese Zeit der Pandemie meistern. Im Glauben, Achtung und einem Für- und Miteinander. Ich wünsche allen Gesundheit, schnelle Genesung, Kraft, Zuversicht und Frieden und eine besinnliche gesegnete Weihnachtszeit! Danke🙏

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